Das 1375/76 erstellte Landbuch Kaiser Karl IV. erwähnt das heutige Borgsdorf als ,borchartstorff zum ersten Mal. Im Laufe der Jahrhunderte wechselt der Ort häufig den Besitzer. Für das Jahr 1649 verzeichnet die Chronik nur einen Bauer und seinen Knecht. Luise Henriette von Oranien erhält Borgsdorf 1653 von ihrem Manne, dem Großen Kurfürsten.
Sie versucht, es in ein Mustergut zu verwandeln, aber der Boden gibt nichts her. 1801 wohnen 95 Personen im Ort. In der Weihnachtsnacht 1840 zerstört ein Brand nahezu das gesamte Dorf. Zehn Jahre später entstehen auf dem wenig fruchtbaren Boden die ersten Ziegeleien, bis um 1905 bleiben sie in Betrieb.
Ein Jahr zuvor beginnt der Berliner Curt Moll mit dem Aufbau einer Gärtnerei, die Borgsdorf weltberühmt machen. Seine Blumen, allen voran die Nelkenzüchtungen, werden bis ins entfernte St. Petersburg versandt. Der russische Zar Nikolaus besucht aber aus diesem Grunde nicht das Dorf, sondern er nimmt 1911 an einer Hofjagd teil. Rings um den Bahnhof entsteht seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ein neuer Ortsteil. Wurden 1905 noch 186 Einwohner gezählt, sind es in den dreißiger Jahren schon 3100.
Das noch heute gültige Wappen erhält die Gemeinde am 5. Januar 1938, Nelke und Geweih halten die Erinnerung an die Vergangenheit fest.
Gegenwärtig entsteht mit dem Vorhaben "Wohnungsbau und Grünraum" in Borgsdorf ein attraktives Wohngebiet im Ortskern. Das erste Richtfest wurde 1996 gefeiert, im Jahre 2002 soll alles fertig sein. Als infrastrukturelle Begleitmaßnahme wächst in der Rosenstraße der Neubau einer Kindertagesstätte empor, Fertigstellungstermin ist Anfang April
Wo alles anfing
|
|

Ansichtskarte:
Sammlung Jürgen Gruntz
|
Hier an der Havel begann im 14. Jahrhundert Borgsdorfs Heimatgeschichte, hier verband einst eine Furt Pinnow und Borgsdorf. Die Havel floß in zahlreichen Windungen, Überschwemmungen der Uferregionen waren die Regel, für eine Wasserstraße nicht gerade ideale Bedingungen. Das änderte sich erst im vorigen Jahrhundert, 1906 wurde damit begonnen, eine direkte Verbindung zwischen Berlin und Stettin zu schaffen. Es wurde zwischen Berlin, Lehnitzsee, Finow-Kanal und Hohensaaten gebaggert, verbreitert und begradigt; die Wasserstraße erhielt ein neues Aussehen und einen imperialen Namen - Hohenzollernkanal. Die ersten Abschnitte waren ab 1911 befahrbar, festlich eingeweiht wird der gesamte Kanal am 17. Juni 1914.
Über den Gasthof zur Linde von Augusth Kurth (kleines Bild) berichtete Georg Ganschow in der Borgsdorfer Chronik: "Es gab im Gasthaus Kurth viele Gäste aus Berlin, bereits schon 1914. Im Gasthaus wurde täglich an Sommergäste (etwa 25-35) Mittagsbrot ausgegeben, sonntags etwa für 120 Gäste.
Wo eigentlich liegt Borgsdorf?
Wo eigentlich liegt Borgsdorf? Diese Frage wurde schon mal vor rund 250 Jahren in Potsdam / Berlin gestellt. Boten wurden losgeschickt, um es zu suchen! In einem Brief an den König (Friedrich II.) ca. 1752 kam die Antwort: "Borgsdorf, das Dorf liegt 3 _ Meilen von Berlin gegen Mitternacht an der Oranienburgerstraße. Der ganze Boden ist sehr sandig und ziemlich unfruchtbar. Das Beste was diese Örter an sich haben ist die nahe Holzung. Die Luft hierherum ist mehr gesund, als zu Krankheiten geneigt."
Zur Bevölkerungsdichte ist folgendes zu sagen. In einem Bericht an den Kurfürst Friedrich Wilhelm heißt es 1654: "Borgsdorf ist itzo ganz wüst und ist kein Mensch mehr vorhanden."
Einwohnerzahl: 1801 = 95; 1851 = 130; 1871 = 230; 1905 = 497; 1920 = 608; 1925 = 1313; 1938 = 2734 Einwohner.
Die steigende Einwohnerzahl verlangte natürlich auch eine Schule. Obwohl in dieser Region seit 1763 Schulpflicht bestand und seit 1782 ein Schulmeister im Ort war, gab es noch kein Schulhaus. Die Beschulung wurde in Provisorien ausgeführt. 1896 wurde die erste Schule gebaut (Hauptstraße 7). Schon beim Bau wußte man, daß sie nicht ausreichte, und beschloß eine größere zu bauen, aber wo?
Da die Besiedelung von Borgsdorf mit riesigen Schritten voranging und alle Kinder in etwa den gleichen Schulweg haben sollten, nahm man einen Plan von Borgsdorf, zog mehrere Diagonalen, und baute an den Schnittpunkt 1938 die neue oder 2. Schule. Diese Schule, Stein auf Stein gemauert, wurde vom 1. Spatenstich bis zur Schlüsselübergabe in knapp acht Monaten erstellt. Die Schule wurde nach den damaligen modernsten Erkenntnissen gebaut und braucht sich auch heute nicht vor den Neubauten zu verstecken.
Zum Schluß noch ein Witz.
Als die Erbauer der Schule Herrn Direktor Schumacher die Schlüssel übergaben, entschuldigten sie sich, daß der Bau so lange gedauert hat.
Ich, der Verfasser dieser Zeilen, wurde Ostern 1939 eingeschult, war also der erste Abc-Schütze dieser Schule.
P.S.: Die Schule stand damals am geographischen Mittelpunkt des Ortes, weil Pinnow noch nicht zu Borgsdorf gehörte.
Heinz Makohl, Borgsdorf, 29.01.1997
Ein Fest für das Flammende Käthchen
"1904 erwarb der Gärtner Curt Moll Bauernland, um hier eine Spezialzucht für Blumen anzulegen. Zunächst gab es nur kleine Gewächshäuser mit etwa 15 000 Quadratmeter Glas. Die Gärtnerei entwickelte sich rasch zur größten in Norddeutschland und nahm bald innerhalb Deutschlands eine Spitzenposition ein. In relativ kurzer Zeit gelang es auch, sie in ganz Europa bekannt zu machen, besonders der russische Hof in St. Petersburg war Hauptbezieher der duftenden Botschafter. Sicher mag dazu beigetragen haben, daß sich einmal Zar Nikolaus 1911 in Borgsdorf zur Hofjagd aufhielt. Östlich von Borgsdorf begann das bis zum Stintgraben am Lehnitzsee eingezäunte Hofjagdgebiet. Anfangs züchtete man Rosen und Orchideen. Aber mehr und mehr entwickelte sich die Zucht von besonders großen, farbenprächtigen Nelken. Stecklinge wurden mit England, Amerika und Dänemark ausgetauscht. Ebenso international waren die Gärtnereleven; sie kamen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Frankreich und Dänemark. In der Hauptblütezeit wurden bis zu 15 000 Nelken versandfertig gemacht oder kamen in Kühlhäuser.
Die Nelke wurde 1937 in das neue Wappen von Borgsdorf aufgenommen. Über dem blauen Band der Havel steht in kräftigem Rot die Nelke. Jahrelang wurde aus diesem Anlaß von der Gemeinde das ,,Wappenfest" gefeiert. Während der Kriegsjahre mußten Molls Liebling" und Flammendes Käthchen" profanen Gemüsesorten weichen. Nach dem Einmarsch der Roten Armee im April 1945 wählt Curt Moll den Freitod; sein Betrieb wird am 25. Juni 1945 beschlagnahmt und enteignet. Im Oktober 1945 richtete die Gemeinde in der Mollschen Villa einen Kindergarten ein. Zeitweise waren hier mehr als dreißig Kinder untergebracht, einige auch als Dauergäste. Um die größte Not zu lindem, wurde weiterhin Gemüse in den Gewächshäusern angebaut. Ein Waldbrand in den schweren Nachkriegsjahren hatte verheerende Folgen. Explodierende Munition ließ sämtliche Scheiben der Gewächshäuser zu Bruch gehen. Aus der Gärtnerei Moll entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten der VEB Gartenbau Borgsdorf.
Heute sind die Gärtnerei mit ihren Gewächshäuser einem Wohngebiet gewichen.